ABOUT YNGVILD STEYTLER

Ich bin in Bremen geboren und aufgewachsen, habe in unserer Kirchengemeinde sehr gerne beim Kindergottesdienst und in der Jugendarbeit mitgeholfen und wollte nach dem Abitur (Kippenberg Gymnasium) an der Uni-Kinderklinik in Kiel Kinderkrankenschwester lernen, weil ich mir vorstellte damit eines Tages entweder auf einer Missionsstation oder im Deutschen Entwicklungsdienst (DED) mitarbeiten zu können, bzw Mutter in einem SOS-Kinderdorf zu werden (im Falle dass ich nie heiraten und eigene Kinder haben wuerde.

Für einen Job beim Deutschen Entwicklungsdienst war ich nach meinem Rote Kreuz Schwestern Examen noch zu jung und so wollte ich als 22 Jährige mit meinem selbst ersparten Geld erst einmal die Welt bereisen, begann im Okt. 1978 in Namibia, wo mein Onkel auf einer Farm lebte. Mein Plan war innerhalb von 2 Jahren einen weiteren Onkel in Australien zu besuchen und dann über Amerika nach Deutschland zurückzukehren, um danach einen 2 Jahresvertrag für eines von 5 mir vom DED angebotenen Länder zu unterschreiben.

Ich bin fast ein Jahr mit meinem Rucksack durch Namibia und Süd Afrika gereist, lernte Anfang 1979 einen jungen Farmer Danie Steytler in Stellenbosch kennen, dessen Bruder ein Lepra Projekt in Malawi fuehrte. So meldete ich mich dort an und arbeitete 4 Monate in Malawi, identifizierte und behandelte Lepra kranke Menschen im Busch.

In der Zeit merkten Danie und ich wie sehr wir uns verliebt hatten und einander vermissten. Als dann noch ein Brief von meinen Eltern kam, dass sie unser Familienhaus in Bremen verkauft hätten und nach Spanien umziehen würden, beschlossen wir sämtliche anderen Reisepläne aufzugeben (ich hatte mein Flugticket nach Australien bereits in der Tasche) und sind kurz entschlossen zusammen nach Deutschland geflogen, um dort in meinem Elternhaus zu heiraten. (Dez.1979) Seit Januar 1980 lebe ich als Farmers Frau auf Kaapzicht Estate, Bottelary Road, Stellenbosch.

Das ist nicht ganz korrekt, denn damals hiess diese Farm noch Rozendal, seit 1946 im Besitz der Steytler Familie. Die gesamte Ernte wurde über all die Jahre hinweg vom Grossvater und vom Vater meines Mannes an einen riesigen Grosshändler verkauft , dessen Methode es war die Farmer einen Blanko Vertrag unterschreiben zu lassen, womit sie ihre gesamte Ernte unbesehen zum Minimum Preis verkauften ohne irgendwelche Rechte auf einen Qualitätsbonus zu haben.

Weil den meisten Farmern Süd Afrikas die gesamte Ernte seit Jahrzehnten in Form von Trauben und losem (bulk) Wein abgekauft wurde, wurde ihnen auch anempfohlen ( bzw vorgeschrieben), was fuer Reben sie anzupflanzen hatten.

Als mein Schwiegervater 1983 aus Alters und Gesundheitsgründen zuruecktrat und uns das Farmen allein ueberliess, hatten wir auf unseren 174 hectar 90 % weisse, hauptsaechlich Chenin Blanc Rebstöcke, wovon die jüngsten 30 Jahre alt waren.

Mein Mann träumte davon ein paar Kisten von seinem Wein “hobbymässig” als Endprodukt mit eigenem Etikett abzufüllen und wollte deshalb seine Farm als "Estate" registrieren. (“Estate” ist eine Art von Güteklasse: "Estate wines” duerfen nur auf eigenem Grund und Boden geerntet, produziert und abgefuellt werden, unter dem “Estate” Etikett ist kein Zukauf von Trauben möglich).

Gegen den Willen seines Vaters begannen wir den Prozess der Namensregistrierung "Rozendal", bezahlten mit unserem eigenen (eigentlich nicht vorhandenen) Geld. Diese Registrierung fiel durch, weil die Firma Distillers den zu ähnlichen Namen "Rosenthaler" besass und damit war Danie's Traum erst einmal dahin.

1984 an einem klaren Wintermorgen kam er von seiner Arbeit oben auf dem Huegel zurueck (damals arbeitete der Farmer noch zusammen mit seinen Angestellten in den Weinbergen) und fragte mich, was ich von dem Namen "Kaapzicht "hielte.
"Kaapzicht" bedeutet Sicht ueber das Kap und in korrektem Afrikaans muesste es "Kaapzight", mit “gh” geschrieben werden. Wir haben oben von unseren Hügeln eine wunderbare Aussicht auf den Tafelberg und Kapstadt, an klaren Tagen kann man den Atlantischen Ozean in der Sonne glitzern und die dunklen Punkte der Schiffe in der Tafelbucht liegen sehen.
Ich schrieb ein deutsches " Kaapzicht" mit “ch” und so liessen wir es registrieren.

Danie's Wahl fuer seinen 1. Wein unter dem Kaapzicht Etikett fiel auf einen kleinen Tank Weisser Riesling, damals das Beste was wir hatten. Da er den Grosshändler nicht veraergern wollte, bot er ihnen die Haelfte dieses Tankes an, so dass sie nicht denken sollten, er naehme ihnen den besten Wein weg. Da hatten wir uns aber total verrechnet, denn der Grosshaendler reagierte ganz anders als wir gedacht hatten: unser Wunsch nach einem “Hobby” Wein wurde als keimendes Bestreben nach Unabhängigkeit angesehen und da wir in unserer Gegend die Ersten waren, die solch eine verrueckte Idee hatten (es gab damals nur eine Handvoll von unabhängigen Weinproduzenten wie Delheim, Simonsig, Owergaau, Lievland etc ausser den KWV und SFW Weinen), musste diese “Revolte” sofort im Keim erstickt werden, so dass wir nicht die anderen Farmer auch damit anstecken wuerden. Also wurden wir bestraft damit, dass sie nur noch unsere besten Tanks Wein kauften und uns mit der Hälfte unserer 1984 iger Produktion sitzen liessen.

Da begriffen wir erst so richtig, wie sehr wir der Gnade und Ungnade des Grosshaendlers ausgeliefert waren, wie abhaengig wir waren. Wir machten Bestandsaufnahme: 90 % Rebflaeche unter weissen Reben aelter als 30 Jahre, ein alter primitiver Keller, gerade geeignet fuer "bulk wine", (eine Tafel im Keller nennt das Baujahr 1938), keine Kunden, kein weiteres Einkommen.
Um andere Käufer fuer unsere Weine zu finden, mussten wir bessere Qualität produzieren, dazu brauchten wir einen modernen Keller, neue Maschinen, junge Rebstoecke und vor allem die richtigen Rebsorten für unser Terroir (abhaengig von Lage, Boden und Klima).

Geld hatten wir keines. Ich weiss nicht genau wie wir überlebt haben. Wir kauften die erste Milchkuh, 3 Ferkel, einen Hund mit Stammbaum und während Danie daran ging alte Weinstoecke herauszureissen und neue zu pflanzen und nachts Farmequipment baute und schweisste, das dann an andere Farmer verkauft wurde, verkaufte ich Milch, vervielfaeltigte die Ferkel, verkaufte Hundewelpen, zog meine eigenen 2 Babies gross, begann im Jan. 1988 mit einem kleinen Lebensmittelladen fuer die ~ 20 farbigen Familien, die auf unserer Farm wohnten und im Jan. 1989 mit Huehnerfarmerei.

Diese entwickelte sich zunehmend: zuerst kaufte ich alle 2 Wochen 100 Ein-Tag alte Küken , fütterte sie gross und verkaufte sie wieder im Alter von 8 Wochen, in dem ich mit einem alten Backie (Pickup Truck) durch die Gegend fuhr und die Huehner lebendig anbot. Die Nachfrage wuchs so sehr, dass es innerhalb von 3 Jahren 800 Küken alle 2 Wochen wurden, die ich dann zu einem Schlachthaus brachte und von dort aus verkaufte.

1991 ging das Schlachthaus bankrott, wir nahmen all unseren Mut zusammen und baten unsere Bank um ein Darlehen, kauften die alten Maschinen des bankrotten Schlachthauses und bauten unser eigenes Schlachthaus hier auf der Farm. 6 Frauen unserer Farmarbeiter halfen mir mit dem Schlachten und mit den Jahren wuchs mein Team auf 13 Frauen; wir schlachteten zusaetzlich fuer ~ 25 andere Farmer, mehr als 55000 Huehner pro Jahr.

Diese, ja nicht besonders romantische Arbeit war nicht nur finanziell fuer uns wichtig (von diesem Hühnereinkommen haben wir alles bezahlt was wir besitzen und überlebten wir 2 magere Jahre, in denen wir ueberhaupt kein Gehalt von der Farm beziehen konnten), sondern es gab mir endlich den ersehnten Durchbruch zu den farbigen Frauen:

Ich hatte 2 Jahre gebraucht bis ich endlich den Mut hatte Afrikaans zu sprechen, und sehr oft reagierten unsere farbigen Angestellten damit, dass sie sich wegdrehten und hinter vorgehaltenen Haenden kicherten. Nicht sehr ermutigend. Wenn ich ihnen einen "lift" (Mitfahrgelegenheit) gab, (keiner der ueber 100 Menschen auf der Farm besass damals ein Auto), dann konnte ich mit ihnen reden und ihnen meine "anderen" (Anti-Apartheids) Ideen erklären, aber sowie sie wieder in ihren Gruppen zusammen standen, fuehlte ich mich unnahbar weit weg abgewiesen, eben weil ich die einzige weisse Frau und mit dem "Boss" verheiratet war.

Alle meine Versuche ihr Leben zu verbessern waren fehlgeschlagen: ich hatte einen Frauenkreis begonnen, (wobei ich ihnen zu ihrem Erstaunen Tee einschenkte und Kekse anbot, - Apartheids Jahre !) ), um zwischen dem Farmer/Boss (meinem Mann) und Arbeitern zu vermitteln, sowie persönliche Anliegen der Frauen besprechen zu können; ich versuchte einen Gartenwettbewerb zu organisieren, mit Belohnung fuer den, der den schoensten Blumen~ und Gemüsegarten habe; wir haben Porzellan -Wassertoiletten gekauft; einen Kindergarten eingerichtet mit lauter gesammeltem Spielzeug und vom deutschen Kindergarten gespendeten Möbeln und Klettergeräten, dazu 2 Mütter als Kindergärtnerinnen ausbilden lassen und und und...

Der Frauenkreis brach zusammen als wir 1986 zum 1. Mal seit unserer Hochzeit (6 Jahre spaeter) wieder zurück nach Deutschland flogen und war wegen Zwistigkeiten unter den Frauen während meiner Abwesenheit nicht wiederzubeleben; der Gemüsegarten der Erfolgreichsten wurde von anderen als Toilette benutzt, die Früchte gestohlen bevor sie reif waren; die Porzellan Toiletten waren zerschlagen bevor sie eingebaut werden konnten; der Kindergarten stand 10 Jahre lang leer, die ausgebildeten Muetter wurden als Kindergärtnerinnen abgelehnt und sämtliches Spielzeug sowie die Kinder Turngeräte draussen verschwanden spurlos.

Es geht eben nicht so wie wir uns das vorstellen: Aermel hoch krempeln und ran an die Arbeit...., selbst mit den besten Anti-Apartheids Absichten kann man das Leben der einfachen farbigen Bevölkerung nicht in Null Komma Nichts verändern.

Ich Ungeduldige habe lernen müssen, dass ich wohl mein ganzes Leben werde einsetzen müssen, wenn ich etwas Bleibendes erreichen möchte.

Als Farmersfrau war ich fuer alles zuständig: Wunden säubern, Fäden ziehen, bei Ehestreitigkeiten vermitteln, Kinder überreden nicht die Schule zu verlassen, gebärende Muetter zum Krankenhaus jagen (sie neben mir im "Farmbackie" liegend, ich mit dem Daumen permanent auf der Hupe und mit allen 4 Blinklichtern über rote Ampeln hinweg), bzw hier auf der Farm bei der Geburt helfen, Einkäufe fuer sie machen, sie zum Arzt fahren bzw wieder abholen; sie in Geldangelegenheiten beraten; dem ersten Mann auf unserer Farm zu seinem Führerschein verhelfen (indem ich 6 Monate lang dem Analphabeten das Buch vorgelesen und ihn 9 mal zu den muendlichen Examen gefahren habe, bevor er die Prüfung beim 10. Mal bestand......).

Und doch bekam ich den Durchbruch erst, als sie sahen, dass ich selber meine Hühnerställe ausmistete und neben ihnen in Blut und Dreck stand und Hühner köpfte und ausnahm. In dem Schlachthaus wuchsen wir zusammen: sie hatten schöne Arbeitskleidung, flexi Stunden, so dass sie fuer ihre Familien sorgen konnten, sie brachten ihre Babies im Bauch und auf den Ruecken gebunden mit, stillten und wickelten zwischendurch, liessen die Krabbelkinder zwischen uns mit den Hühnerfüssen & Köpfen (Walkie-Talkies) spielen, hörten Radio Musik während der Arbeit und bekamen Kaffee und Tee vormittags und nachmittags.

Ein Arbeitsplatz bei mir im Schlachthaus wurde der begehrteste Platz auf der Farm mit der besten Bezahlung (ich musste sie ja meinem Mann weglocken, sonst hätte ich keine Arbeitskräfte gehabt) und einmal sogar Mitbeteiligung am Profit, als ich ihnen das Schlachthaus während meiner 2. Reise nach Deutschland (12 Jahre nach meiner Hochzeit) und längeren Abwesenheit zum Selbstmanagement übergab.

Ende des Jahres 2000 kam ein Inspektor und schloss mein Schlachthaus, weil wir keine Lizenz hatten. Jetzt sind "meine" Frauen bei uns im Warenlager angestellt, etikettieren und verpacken unsere Weine.

30 Jahre spaeter hat sich unsere Farm auf 190 Hektar vergrössert und das Sorten Spektrum verändert auf 70 % rote Rebsorten (Cabernet Sauvignon, Merlot, Shiraz, Pinotage, Malbec, Petit Verdot, Cabernet Franc) und 30 % weisse: Chenin Blanc (wir haben noch immer einen Weinberg, der 1947 vom Grossvater Steytler gepflanzt worden war) und Sauvignon Blanc, ein wenig Weisser Riesling (den wir seit Beginn der 90iger Jahre nicht mehr abfuellen sondern zu Grappa verabeiten), Chardonnay und Hanepoot (eine Muscadel Traube fuer Dessert Wein) und Colombar fuer Brandy.

Unsere totale Produktion (inklusive der jungen Weinberge) ist 1200 Tonnen Trauben oder 1 Mill Liter Wein pro Jahr.

Wir hatten 3 Jahre gebraucht, bevor wir einen Käufer fuer die uebriggebliebene Ernte von 1984 fanden. Unser erster abgefuellter Kaapzicht Weisser Riesling 1984 wurde erfolgreich per Hand verkauft und jedes Jahr produzierten wir mehr und jetzt haben wir 3 Weissweine und 7 Rotweine unter dem Kaapzicht Etikett und 3 rote "flagships" unter unserem Familien Namen "Steytler", sowie Traubensaft, einen suessen "fortified" Dessert Wein, einen Portwein und unseren eigenen Grappa und Pot Still Brandy.

Seit Mitte der 90iger Jahre sind wir vollkommen unabhaengig von den Grosshändlern, 1992 haben wir zum ersten Mal exportiert, (nach Holland, noch waehrend der Sanktionen) und jetzt exportieren wir fast rund um die Welt, nach Deutschland, Holland, Belgien, Oesterreich, Schweiz, Dänemark, Schweden, Estland, England, Irland, USA, Brasilien, Hong Kong, Philippinen, Malaysia, Singapore, Neu Seeland, Angola, Botswana und Namibia, insgesamt 80 % unserer abgefuellten Weine. Wir fuellen noch immer nicht alles ab (nur rund 25 % unserer Produktion) , versuchen jedes Jahr unsere bestehenden Märkte zu vergrössern und neue zu finden und den uebrigen losen Wein verkaufen wir an bekannte andere Weinproduzenten.

In diesen 30 Jahren wurde nicht nur neu gepflanzt, sondern auch der Weinkeller ausgebessert, ein neuer Produktionskeller angebaut, neue Maschinen gekauft und gebrauchte Weintanks, (die von anderen rausgeschmissen worden waren), eine Flotte an Treckern und Lastwagen angeschafft, der Hof verdoppelte sich und wurde mit Backsteinen ausgelegt, die Schafsweide und die Kuh-und Schweineställe mussten zwei grossen Lagerhallen Platz machen, ein Pferdestall wurde in einen "wine tasting room" umgewandelt, ein Rondavel vergroesserte sich in ein Buero, die ersten Computer zogen ein, ( ....die Hausfrau und Schlachtfrau machte ein Buchhalter Diplom....)
Es wurde eine vom "cashflow" diktierte Gradwanderung: wenn man sich zu langsam entwickelt geht man bankrott und wenn man sich zu schnell entwickelt geht man ebenfalls bankrott. Alles Geld wanderte in die Produktion, es war nie etwas übrig fuer unser eigenes Haus und sonstige Verschönerungen standen immer als letzte auf der Liste der Prioritäten.

Danie's juengerer Bruder George ist seit vielen Jahren zuständig für die Landarbeit und all die technischen Dinge, Fahrzeug Reparaturen, Um ~und Neubauten etc. und lebt mit seiner kleinen Familie neben uns auf der Farm.

Wir beschäftigen jetzt sehr viel mehr Angestellte als je zuvor, unter anderem auch schwarze Arbeitskräfte, die wir jeden Tag aus der Stadt abholen. Einige unserer farbigen Familien, (die noch immer bei uns auf der Farm wohnen,) besitzen jetzt ihre eigenen Autos und Fernseher, sie haben feste Arbeitsverträge mit Urlaub, Krankenurlaub, Pension, sie gehören Gewerkschaften an, werden regelmässig zu Weiterbildungskursen geschickt und die jüngere Generation geht jetzt generell länger in die Schule als früher, und obwohl bisher nur insgesamt 6 Jugendliche die Schule bis zur 12. Klasse abgeschlossen haben, ist es eine deutliche Verbesserung. Weil sie immer wieder die Schulkosten als Grund dafuer genannt hatten, dass sie die Schule verlassen wollten, zahlen wir seit 2002 sämtliche Schulgelder fuer die ~ 45 Kinder unserer Angestellten.

Den Kindergarten hatte ich mit viel Mühe immer mal wieder zwischendurch zum Leben erweckt, wann immer ich eine geeignete Mutter fand, die bereit war sich gegen Entgeld um die kleinsten Kinder zu kümmern. 2008 kam dann wunderbare Hilfe in Form einer Wohltätigkeitsorganisation mit Namen "Pebbles" (www.pebblesproject.co.za), die anboten 2 junge Frauen aus unserer Farmgemeinschaft als Kindergärtnerinnen auszubilden, den Kindergarten mit neuem Spielzug zu versehen und die täglichen Aktivitäten zu kontrollieren. Das ganze Gebäude wurde von George repariert, innen und aussen neu gestrichen und seitdem ist der bunte kleine Kindergarten (mit 10 - 16 lebhaften Kindern unter 6 Jahren) mein ganzer Stolz.

In demselben Gebäude befindet sich auch der Saal fuer unsere Angestellten, in dem sonntäglicher Gottesdienst, Hochzeiten und andere Feiern gehalten werden. Hier haben wir unter der Anleitung und Aufsicht von Pebbles einen "After-School-Club" (ASC) begonnen: 2 von aussen kommende Lehrerinnen helfen unseren Schulkindern jeden Nachmittag bei den Hausaufgaben und unterrichten sie zusätzlich in "life skills" (wie schädlich Drogen sind, wie man HIV / Aids vermeidet) und bringen ihnen Sport und Spiele, Drama und Basteln bei. Unsere ungefähr 45 Schulkinder hängen jetzt nicht mehr teilnahmslos und gelangweilt nachmittags herum, sondern lassen sich gerne und sinnvoll beschäftigen. Die Gehälter der beiden Kindergärtnerinnen und ASC Lehrerinnen werden von uns, von der Farm bezahlt.

Meine Tage als Schlachtfrau sind lange vorbei, unsere beiden Kinder aus dem Haus (der Sohn hat Oenologie und die Tochter Sozialarbeit studiert), ich sitze oft bis spaet in die Nacht ueber unseren Finanzen und "jet sette" 4 - 5 mal im Jahr in alle Welt, um meine Geschaäftspartner = Importer zu unterstuetzen, zu Weinmessen zu gehen und neue Märkte zu finden. Unser Sohn Danie ist seit Februar 2009 unser "winemaker" und wir arbeiten wunderbar zusammen.

Mein Mann Daan ist zwar noch immer unser Kellermeister, überlässt aber eigentlich die ganze Arbeit dem Sohn. Er, Senior, ist Mitglied der prestigevollen Cape Wine Makers Guild und dient auf vielen Komitees, betätigt sich vor allem mit marketing auf unserem lokalen Süd Afrikanischen Markt.

Genau 20 Jahre nachdem wir unseren ersten Wein abgefüllt hatten, erlebten wir unseren ersten absoluten Weinerfolg/ Höhepunkt, als unser "Steytler Vision 2001" als erster "Cape Blend" die "Chateau Pichon Longueville Comtesse de Lalande Trophy" für die beste Rotwein Cuveé der Welt erhielt (IWSC) und 5 Jahre später , 2009, wurde der Steytler Pinotage 2006 zum besten Rebsorten reinen Rotwein der Welt gekürt (Decanter). Wenn wir zurück schauen, koennen wir es selbst kaum glauben !

An diesem Punkt möchte ich noch unsere Nachbarn erwähnen: jeder hat immer jeden unterstützt, beraten und getröstet und Wissen wurde immer bereitwillig ausgetauscht.

Wenn einer fertig war mit Ernten, schickte er seine Arbeiter zum Nachbarn; wenn eine Frau ins Krankenhaus ging um ein Kind zu gebären, wurde der Ehemann und die älteren Kinder von den Nachbarn versorgt; man fuhr (einhaendig) mit dem Motorrad - ein Reagenz Glas mit einem problematischen Wein in der freien Hand- ueber den Hügel zum Nachbarn und fragte um dessen Meinung; bei einem Nachbarn verunglückte waehrend der Ernte der Lastwagen morgens um 8h00 Uhr und um 11h00 hatte er 6 Lastwagen auf seinem Hof stehen, die alle von den anderen Nachbarn frei gemacht und hinüber geschickt worden waren, - während der Ernte wirklich keine kleine Geste.

Unsere Nachbarn sind unsere besten Freunde und seit Jahren fahren wir mit der einen oder anderen Familie gemeinsam in Urlaub. Solche Angst haben wir vor Trennung, dass wir (im Spass) sogar schon unser Rentenalter planen: wir wollen alle unsere kleinen Pensions-Häuschen oben auf dem Hügel bauen, in einer Ecke wo mehrere unserer Farmen an einander grenzen, so dass wir dann nur eine Pflegerin brauchen, die uns alle gemeinsam versorgen kann, während wir mit unseren Schaukelstühlen in der Sonne auf der Terrase sitzen und die herrliche Aussicht geniessen.

Wir, als die ersten in Bottelary, die eigenen Wein abgefuellt haben, machten genau das, was der Grosshändler hatte unterdruecken wollen: wir erzählten sämtlichen Nachbarn, dass unsere Weine gar nicht so schlecht sind, wie uns der Grosshändler immer hatte weissmachen wollen (wir hatten in der Vergangenheit nämlich dankbar sein sollen, dass uns unsere "schlechten" Weine ueberhaupt zum Minimum Preis abgekauft wurden), im Gegenteil, dass man mehr Geld verdient, wenn man selber abfüllt und das man sehr wohl eigene Kunden finden kann. Jedes Mal, wenn einer unserer Nachbarn sich vom Grosshändler unabhängig gemacht hatte, haben wir zusammen gefeiert und geprostet und alle unsere Export Erfahrungen und Lektionen, die wir beim Marketing gelernt haben ausgetauscht.

Diese uns persönlich engsten Nachbarn sind uebrigens Mooiplaas, Groenland, Bellevue und Goede Hoop, die anderen mit denen wir ebenfalls ein gutes Verhaeltnis haben sind Hazendal, Hartenberg und Fort Simon, und ich glaube man kann einige ihrer Weine jetzt auch auf dem deutschen Markt finden.

Es war eine stille, aber unaufhaltsame "Farmer Revolution" aus der vollkommenen Abhängigkeit von den wenigen Grosshändlern in eine moderne, unabhaengige Weinindustrie und ich bin stolz darauf, dass so viele Süd Afrikanische Weinfarmer es auf die internationalen Märkte geschafft haben und dass wir dazugehören.

Yngvild Steytler
Exports & Marketing
Kaapzicht Estate


Kaapzicht Wine Estate
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